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Wie man Schulden senken kann

Sparpotenzial steckt überall. Das lässt sich derzeit bei allen Kommunen beobachten.

Bad Dürrheim (Schwarzwald-Baar-Kreis) geht sogar noch weiter: Seit zwei Jahren hat die Stadt eine externe Beratungsfirma damit beauftragt, die Zinsen auf ihre Darlehen in Höhe von insgesamt knapp 13 Millionen Euro zu managen. Bad Dürrheim beweist damit bislang erfolgreich, dass man sogar aus Schulden Geld machen kann: Knapp 120 000 Euro weniger Zinsen hat die Kommune dadurch insgesamt zahlen müssen.

Die Schulden: Bad Dürrheim zählt 12 960 Einwohner. Die Stadt im Schwarzwald-Baar hat 432 000 Euro Schulden angehäuft (Stand 2009). Das ist nicht viel, doch dazu kommen noch die Kredite der städtischen Eigenbetriebe. Sie belaufen sich auf insgesamt 12,595 Millionen Euro. Die Pro-Kopf-Verschuldung beträgt also 1005 Euro. Das ist schlechter als der Durchschnitt in Baden-Württemberg. Er liegt bei 883 Euro.

Der Dienstleister: Bad Dürrheim – und auch die Nachbarstadt Donaueschingen – bedient sich der MAGRAL AG aus München, die neben der öffentlichen Hand auch Banken und große Unternehmen in der Steuerung von Zinsportfolios berät. Das Honorar der Magral AG richtet sich nach den erzielten Zinseinsparungen für die Kommune. Die Firma wird mit zehn Prozent hieran beteiligt.

Das Prinzip: Ziel des Zinsmanagements ist es, während der Laufzeit von bestehenden Darlehen aktiv auf die Schuldenzahlungen für diese Kredite einzuwirken. Dabei setzt die Magral AG auf Zinstauschverträge, so genannte „Zins Swaps“: Mit den Banken wird für eine bestimmte Laufzeit auf Basis eines fiktiven Kapitalbetrags ein Zinstausch fest gegen variabel oder umgekehrt vereinbart. Dabei wird das Kapital nicht an die Bank übertragen. Ziel ist es, die Zinskosten zu senken. Außerdem dient der Zins-Swap dazu, das Zinssatzänderungsrisiko abzusichern.

Der Ablauf: Die Beratungsfirma beobachtet die Entwicklungen am Geldmarkt und entscheidet dann, welcher Teil der kommunalen Darlehen in Zinsverträge mit festem und welcher Teil in Verträge mit variablem Zinssatz eingestellt werden. Das war für die Kurstadt bislang günstiger als nur Darlehensverträge mit einem über viele Jahre festen Zinssatz abzuschließen. Dass die Zinsen derzeit allgemein historisch niedrig sind, wirkt sich zwar positiv aus – ist aber nicht entscheidend. Auch in diesem Jahr hofft die Kommune – abzüglich des Honorars für die MAGRAL AG – auf einen Zinsgewinn von 84 600 Euro.

Die Nachfrage: Das Zinsmanagement wird nach Angaben der MAGRAL AG immer notwendiger: „Durch die Finanz- und Wirtschaftskrise stehen viele Kommunen vor dem Problem der steigenden Ausgaben und der wegbrechenden Einnahmen“, sagt Wirtschaftsmathematiker Richard Vollnhals von der MAGRAL AG. Die Zinslast stelle regelmäßig einen mächtigen Ausgabeposten im kommunalen Haushalt dar, der durch die verminderten Einnahmen nochmals schwerer wiege. Seine Folgerung: „Der Schutz vor wieder steigenden Zinsen in der Zukunft in Verbindung mit dem Erzielen einer Zinslastsenkung ist gerade in diesen Zeiten bei den Kommunen, aber auch bei Unternehmen sehr gefragt.“

Moritz Oehl
Der Südkurier, 06.05.2010